Verheerer – Maltrér (Review)

Review veröffentlich am 23.08.2018 – 0 Kommentare
Cover Verheerer Maltrer

Stil: Black Metal
Ähnliche Bands: Mgła, Uada, Havukruunu

Veröffentlichungsdatum: 19.01.2018
Label: Vendetta Records
Gesamtlänge: 48:38


Eine Studie hat ergeben, dass auf Spotify jeder vierte Song nach bereits fünf Sekunden weitergeklickt wird. Nach 30 Sekunden ist es sogar schon jeder dritte, und nur die Hälfte aller Songs wird überhaupt bis zum Ende gehört. Dazu passt das Ergebnis einer weiteren Studie, die besagt, dass heutzutage nach nur durchschnittlich fünf Sekunden das Intro eines Songs endet.

Als Metal-Hörer weiß man natürlich, dass solche Studien auf unsere Szene beschränkt anders ausfallen dürften. Und so werden es vermutlich weder Mut noch bewusste Ignoranz gewesen sein, die VERHEERER dazu bewogen haben, ihr Debütalbum mit einem beinahe dreiminütigen Intro zu eröffnen. Das Duo aus Flensburg zeugt damit vielmehr von einem szenebewussten Selbstverständnis, denn wo sonst könnte so etwas funktionieren, wenn nicht im Metal?

Besagtes Intro entführt uns mittels sakralem Gesang und einer Italo-Horror-Gitarre, die wie eine Glocke unheilvoll hin und her zu pendeln scheint, in eine verstörende und bedrohliche Welt. Und wenn dann im ersten vollwertigen Song „Kultyst“ der Sänger einen garstigen Schrei loslässt, die Rhythmusfraktion von der Leine gelassen wird und die Gitarren finstere und doch wundervolle Black Metal Melodien entfesseln, dann sehe ich vor dem inneren Auge die Höllengemälde von Hieronymus Bosch – verstörend und doch künstlerisch äußerst ansprechend.

Das Gefühl von Bedrohung und morbider Faszination zieht sich dann auch wie ein blutroter Faden durch das Debütalbum des Duos. Wie unberechenbar VERHEERER dabei zu Werke gehen, zeigt ihre traditionsbewusste Experimentierfreude. Hier treffen Kirchenorgeln, sakrale Gesänge, militärisch aufspielendes Schlagzeug, Akustik- und Power Metal-Gitarren, Raserei, nordische Kälte (die ich trotz der aktuell herrschenden Hitzewelle noch spüre), dissonante Klänge, Heaviness, neben dem Rhythmus laufende Melodien, boshaftes Röcheln und Tom Warrior „Ughs“ aufeinander.

In den zehn Jahren, in denen die Band auf dem Papier schon aktiv ist (bisher gab es aber nur eine EP), haben sich die Musiker also so einiges einfallen lassen, das es auf einem Album in ausgewogene Songs zu bringen galt. Das ist ihnen auch tatsächlich sehr gut gelungen. Langweilig wird dem Hörer hier sicherlich nicht, trotz oftmals von Repetition besessenen Parts.

Man muss sich aber auf den speziellen Stil der Band einlassen wollen, denn VERHEERER spielen auf „Maltrér“ weder Black Metal für den Durchschnittsmetaller, noch beharren sie auf der reinen Black Metal Lehre. Wer das nicht kann, verpasst ein außergewöhnliches Album. Alle anderen sollten nicht länger zögern und sich selbst ein Bild von VERHEERERs dunklem Klangkosmos machen.

Bezugnehmend auf die Einleitung, möchte ich mich abschließend ausdrücklich bei jedem Leser bedanken (und ihn beglückwünschen!), dessen Aufmerksamkeitsspanne lang genug war, um dieses Review komplett und bis zum Schluss zu lesen: Vielen Dank, ihr seid der lebende Gegenbeweis zu allen Goldfisch-Studien!



Band Verheerer
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