Primordial – Exile Amongst the Ruins (Review)

Review veröffentlich am 19.04.2018 – 0 Kommentare

Stil: Epic Celtic Black Pagan Doom
Ähnliche Bands: Mael Mórdha, Thyrfing, Darkest Era

Veröffentlichungsdatum: 30.03.2018
Label: Metal Blade Records
Gesamtlänge: 01:05:33


Einige Bands liebt man, wenige Bands verehrt man, und dann gibt es noch jene seltene Art von Bands, denen man mit Ehrfurcht begegnet. PRIMORDIAL sind für mich ganz bestimmt eine der letzteren, denn sie jagen mir einen Heidenrespekt ein. Das kann man nun als albernes Pagan Metal Wortspiel auffassen oder als den Beginn des Versuches zu beschreiben, warum mich die Vorfreude auf „Exile Amongst the Ruins“ gleichzeitig auch mit der Ungewissheit erfüllt hat, ob sich mir das Album wohl erschließen würde, denn leichte Kost war hier gewiss nicht zu erwarten.

Verstärkt wurde diese Ungewissheit obendrein durch die vorab veröffentlichten Musikvideos zu den Songs „Stolen Years“ und „To Hell or the Hangman“, denn diese ließen mich zunächst etwas ratlos zurück. Der erste der beiden Songs klingt eher nach einem Zwischenspiel mit Gesang, ist also eine höchst ungewöhnliche Wahl, um ein neues Album vorzustellen. Zu den Post-Punk Rhythmen des zweiten Songs möchte man eher das Tanzbein schwingen, als im einsamen Morgengrauen über saftige irische Wiesen zu wandeln. Sollte es dir mit diesen ersten Hörproben ähnlich wie mir ergangen sein, lass dich nicht täuschen und riskiere zwei Ohren für das ganze Album. Denn auch wenn PRIMORDIAL ihren ureigenen Stil erneut ein Stück weiterentwickelt haben, sind sie doch eindeutig sie selbst geblieben.

So vereint schon der Opener „Nail Their Tongues“ viele Trademarks und Stärken der Band, als da beispielsweise die doomigen Heavy Metal Abschnitte und die keltische Grundstimmung wären. Sogar ihre Black Metal Vergangenheit lassen die Iren in kurzen Passagen wiederaufleben. Doch gerade als man anfängt sich zwischen den Zitaten aus der Vergangenheit heimisch (und heidnisch) zu fühlen, endet der Song abrupt und das eingangs erwähnte „To Hell or the Hangman“ beginnt. Was diesen Song so ungewöhnlich macht, das ist sein Post-Punk- bzw. Industrial-Charakter, der so von den Iren noch nicht zu hören war, aber im weiteren Albumverlauf in dieser Form auch nicht wiederkehren wird. Obwohl, das stimmt nicht ganz, denn ein für Post-Punk und Industrial typisches Element, das sich sehr wohl durch einen Großteil des Albums zieht, ist die Repetition von Rhythmen und Melodien. Dieses Stilmittel ist jedoch auch dem Doom und Black Metal alles andere als fremd, womit es ein Teil der DNS von PRIMORDIAL ist, doch war es in dieser ausgeprägten Form auf noch keinem ihrer Alben so präsent und direkt wie auf diesem. Die steten Wiederholungen tragen dann auch entscheidend dazu bei, dass man wie in Trance völlig in „Exile Amongst the Ruins“ versinkt. Fast schon versöhnlich wirkt dagegen der nächste Song „Where Lie the Gods“, der exemplarisch verdeutlicht, dass dieses Album in der Grundstimmung manchmal sogar noch etwas düsterer und melancholischer ist als seine Vorgänger. Da PRIMORDIAL jedoch die Meister des kraftvollen Leidens sind, zieht einen die Darbietung dieser Melancholie beim Hören nie herunter. Die poetischen Texte von Frontmann Alan Averill, über den spirituellen und moralischen Aderlass im weltpolitischen Geschehen, haben diesen Effekt bei genauerer Betrachtung dann schon eher. Im weiteren Albumverlauf präsentieren die Iren ergreifende Midtempo-Hymnen mit ausdrucksstarken Melodien, kompakten Wutausbrüchen und balladesken Ruhephasen. Auch die für die Band so typische Breitwand-Epik ist erneut ein zentraler Bestandteil des Gesamtkunstwerkes, das „Exile Amongst the Ruins“ darstellt.

PRIMORDIAL wollten es ihren Hörern noch nie einfach machen. Trotz einem über die Jahre sehr konstanten Lineup und einem damit einhergehenden eindeutigen Wiedererkennungswert, ist doch jedes Album erneut eine Herausforderung und Aufgabe zugleich – sowohl für die Band, als auch für den Hörer. Wer „Exile Amongst the Ruins“ als Herausforderung annimmt, wird ganz bestimmt nicht enttäuscht, wohl aber das ein oder andere Mal überrascht werden.

Dieses Album ist fordernde Kunst für Herz und Verstand, die sich mir zugegebenermaßen erst nach einigen Hördurchgängen erschlossen hat.




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