Mantar – The Modern Art of Setting Ablaze (Review)

Review veröffentlich am 28.10.2018 – 0 Kommentare
Cover Mantar The Modern Art of Setting Ablaze

Stil: Black Crust Doom
Ähnliche Bands: Salute, Sacroscum, Pillärs

Veröffentlichungsdatum: 24.08.2018
Label: Nuclear Blast
Gesamtlänge: 47:44


Die eigene Euphorie für unfassbar gute Alben ist oftmals schwer in Worte zu fassen. Bei einem Musikabend mit Freunden ist es ein Leichtes, dieser Begeisterung, unterstützt von ein paar Flaschen Bier, nahezu wortlos Ausdruck zu verleihen. Bei einer Rezension verhält es sich freilich anders. Da braucht es dann manchmal gleich mehrere Anläufe, bis man glaubt, dass die verfassten Worte dem Album gerecht werden und andere Fans guter Musik dazu animieren können, ein bis zwei Ohren zu riskieren.

Wenig überraschend sollte nach dieser Einleitung sein, dass „The Modern Art of Setting Ablaze“ nicht nur unfassbar gut ist, es ist auch unfassbar schwer in Worte zu fassen. Herausforderung angenommen …

Mit den beiden Vorgängeralben haben sich MANTAR (was übrigens aus dem Türkischen stammt und „Pilz“ bedeutet) die perfekte Ausgangslage geschaffen, um ihren unverkennbaren Stil weiterentwickeln zu können, ohne dabei Gefahr zu laufen, ihre Fanbasis zu verprellen. Denn als Anhänger des pyromanischen Duos (man beachte die Albennamen) durfte man noch nie mit Scheuklappen durch die musikalische Welt wandeln, konnte sich aber ebenso in der Gewissheit wiegen, dass die beiden sympathischen Jungs stets etwas Eigenständiges fernab der Masse produzieren werden. Anders ausgedrückt: sofern die Band aus Bremen sich selbst und ihrem Stil treu bleibt, können sie ihren weiteren raketenhaften Aufstieg eigentlich gar nicht mehr verkacken.

Und so erfinden sich MANTAR auf „The Modern Art of Setting Ablaze“ folgerichtig auch nicht komplett neu. Beim Alten bleibt aber beileibe auch nicht alles! Genauer gesagt werden die Trademarks der ersten beiden Alben destilliert und mit viel Neuem angereichert.

Auffällig ist dabei in erster Linie, dass viele Songs mehr Struktur haben als auf den Vorgängeralben und nach einer klassischen Bandbesetzung mit zweiter Gitarre und Bass klingen. Im Song „Anti Eternia“ ist sogar etwas zu hören, das man im derben Klangkosmos von MANTAR als Solo bezeichnen könnte. Durch das klassischere Songwriting und ein deutliches Plus an Atmosphäre (man beachte das Intro, die wiederkehrende Orgel oder die Walgesänge in „Teeth of the Sea“), scheint der Fokus auf diesem Album etwas mehr bei Black Metal zu liegen. Also weniger MOTÖRHEAD, dafür mehr DARKTHRONE? Ganz so einfach machen MANTAR dem Hörer die Suche nach stilistischen Vergleichen nicht, denn natürlich sind Doom, Punk und Stoner Rock noch immer gleichberechtigte Bestandteile im Songwriting des Duos. In ihren ruhigeren Momenten erinnern MANTAR jetzt sogar manchmal entfernt an die progressiven THE OCEAN (in deren härteren Momenten).

Doch ungeachtet aller Weiterentwicklung ist der Sound von MANTAR noch immer „pretty primitive music for primitive people, made by primitive people“, um eimmal Sänger/Gitarrist Hanno zu zitieren, denn nach wie vor haben hier das Riff und der Beat den höchsten Stellenwert.

Es sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass die Wahl des Reliefs „Der Lichtbringer“ als Covermotiv kein billiges Mittel zum Zweck ist, um durch Provokation Aufmerksamkeit zu erhaschen. Provokant ist das Relief nämlich insofern, als dass der Künstler Bernhard Hoetger ein Sympathisant des Nationalsozialismus und Parteimitglied der NSDAP war, auch wenn er später aus dieser ausgeschlossen wurde und seine Arbeiten als „entartete Kunst“ eingestuft wurden. Hierzu findet man auch ein sehr ausführliches Statement der Band auf Facebook.

MANTAR werden mit „The Modern Art of Setting Ablaze“ sicherlich neue Fans dazugewinnen, vielleicht sogar aus einer breiter aufgestellten Hörerschicht, sind aber noch immer meilenweit von Anbiederung, Hipstertum oder gar Ausverkauf entfernt. Saucoole Band, großartiges Album!



Band Mantar
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